Direkt zum Inhalt

Beitrag von Dr. Timm Strotmann-Tack

Einsamkeit im Alter

Einsam und in Erinnerungen leben

Ein Thema, das viele ältere Menschen betrifft, ist „Einsamkeit im Alter“. In meiner täglichen Arbeit als Gerontopsychiater der LVR-Klinik Viersen erlebe ich bei vielen Patient*innen, dass Einsamkeit eine große Rolle bei psychischen Erkrankungen spielt.

Ursachen, die zur Entstehung dieses Gefühls der Einsamkeit beitragen, sind sehr unterschiedlich. An erster Stelle steht der Verlust von Partner*innen und Freund*innen. Auch die eingeschränkte Mobilität und Gesundheit hat Auswirkungen auf die Fähigkeit mit Menschen in Kontakt zu treten. Wenn Familienmitglieder oder Freund*innen weit entfernt leben, wird es schwerer, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Auch der Eintritt in den Ruhestand oder der Verlust des Arbeitsplatzes ist mit Veränderungen der täglichen sozialen Interaktionen verbunden. Manchen älteren Menschen fällt es schwer, sich in einer zunehmend digitalisierten Welt mit neuen Technologien wie Smartphones und sozialen Medien vertraut zu machen.

Sport hält fit und macht gemeinsam Freude

Wir sehen im Bereich der Alterspsychiatrie (Gerontopsychiatrie) Auswirkungen der Einsamkeit im Alter. Denn Einsamkeit kann zu Depressionen und einer allgemeinen Verschlechterung der Lebensqualität führen. Auch ist das Suizidrisiko bei Menschen, die unter Einsamkeit leiden, erhöht. Zudem bewegen sich Menschen bei sozialer Isolation weniger. Darüber hinaus hat Einsamkeit auch Auswirkungen auf die geistige Gesundheit, das Demenzrisiko ist erhöht.

Um der Einsamkeit im Alter entgegen zu wirken, gibt es 10 einfache Tipps, die ursprünglich auf die Malteser zurückzuführen sind:

  • Lebensfreude wiederentdecken. Jeder weiß, was einem gut tun kann, dieses Wissen muss reaktiviert werden.
  • Struktur im Alltag schaffen. Durch eine Tagesstruktur entsteht wieder eine Regelmäßigkeit im Leben. Dazu zählt auch ausreichend Schlaf, gute Körperpflege, regelmäßige Mahlzeiten und Trinkeinheiten.
  • Bleiben Sie in Kontakt mit anderen. Wichtig ist, den ersten Schritt zu machen, um Kontakte wieder aufzunehmen.
  • Man ist nie zu alt für Technik! Offenheit für neue Technologien sind in jedem Alter wichtig, die Benutzung des Computers, Smartphones oder Tablets ist für jeden zu ermöglichen.
  • Mutig netzwerken! Was hindert einen daran, die Nachbarn im Treppenhaus einfach mal zu grüßen, so dass im direkten Umfeld Kontakte entstehen können.
  • Sich ehrenamtlich engagieren! Es gibt viele Möglichkeiten im Ehrenamt für andere da zu sein.
  • Mehrgenerationenhäuser gründen oder in diese einziehen! Bundesweit gibt es mehr als 500 Mehrgenerationenhäuser, in denen Menschen zusammenleben.
  • Hobbys reaktivieren! Hobbys stellen eine gute Gelegenheit dar, mit anderen Menschen gleiche Interessen zu teilen.
  • Bewegung und Sport gegen Einsamkeit nutzen! Schon kurze tägliche körperliche Aktivitäten können dem Körper guttun.
  • Ein Haustier ist auch ein Alltagsbegleiter! Menschen mit Haustieren, entwickeln seltener ein Gefühl der Einsamkeit.
Dr. Timm Strotmann-Tack, Chefarzt der Gerontopsychiatrie

Die Bekämpfung von Einsamkeit im Alter ist nicht nur eine individuelle Herausforderung, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Jeder Mensch findet sicherlich unter den 10 Tipps etwas für sich. Klar ist, dass jeder etwas für sich aber auch für andere tun kann, sei es durch freiwillige Hilfe, durch das Unterstützen von Nachbarn oder durch das Schaffen eines respektvollen Umfelds für ältere Menschen.

Dr. Timm Strotmann-Tack

Chefarzt Gerontopsychiatrie und -psychotherapie, LVR-Klinik Viersen

Zertifikate und Mitgliedschaften

LVR-Klinik Viersen auf Instagram
LVR-Klinik Viersen auf Facebook
LVR-Klinik Viersen auf YouTube

LVR-Klinik Viersen

Johannisstraße 70

41749 Viersen

Telefon: 02162/ 96-31